Ich kann damit leben

Es gibt im Leben Situationen  mit denen ich nicht umgehen kann. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. z.B.:  Mein Partner kommt immer um fünf Minuten zu spät. Ich habe ihm das schon oft gesagt, geändert hat sich bisher nichts. Ich ärgere mich darüber. Was kann ich tun? Was nicht funktioniert  ist den Partner ändern zu wollen. Menschen und die Vergangenheit lassen sich nicht ändern.

Kann ich es aushalten, dass er regelmäßig zu spät kommt? Ich merke, dass  das Zuspätkommen etwas ist, dem ich mich mit ganzer Kraft entgegenstelle. Ich möchte meinen Platz behaupten. Ich habe aber so viel Selbstwert, dass ich mich durch seine Verspätung nicht bedroht fühle. Aushalten ist eine große Aktivität, meinst das Erste und Letzte, was wir tun können.

Die andere Möglichkeit ist, es „so sein zu lassen“, es anzunehmen. Das heißt aber nicht: „es ist gut“. Es geht darum zu sehen, ja, es ist Realität, dass er immer zu spät kommt. Ich nehme diese „Wirklichkeit“ in mein Leben herein. Ich lasse diese Realität nicht nur auf mich wirken, ich berücksichtige sie auch bei meinen Entscheidungen. Ich lass das so sein, ich kann mit dieser Situation leben.

Annehmen verlangt viel weniger Kraft als aushalten und führt zu mehr Gelassenheit.

Leisten – Funktionieren – oder Genießen.

Die gegenwärtige Arbeitswelt, aber auch die Freizeit sind oft mit Druck und Stress verbunden. Termin reiht sich an Termin. Verschnaufpausen sind kurz. Tätigkeiten sollen immer schneller erledigt werden. Und nach der Arbeit kommt der Sport. Leider dominiert auch da das Leistungsprinzip. Schritte werden gezählt und müssen am nächsten Tag gesteigert werden. Kilometer, Minuten und Höhenmeter dominieren die Freizeit. Sport nicht zum Ausgleich oder zur Erholung sondern um Rekorde zu sammeln.

Haben wir das Genießen verlernt. Oder waren wir gar nie in der Lage Lust zu verspüren. Lust, diese treibende und vitale Kraft, die uns angeboren ist. Beim Beobachten von Kindern, die mit Hingabe stundenlang spielen und dabei die Welt um sich herum vergessen, ist diese Kraft und Freude zu sehen. Auf dem Weg zum Erwachsenen wird sie weniger und vergeht. Können wir nicht mehr genießen?

Dabei sprechen wir so gerne vom Genießen, von Genussreisen, Genusshotels, Genusswochen oder Genusswelten. Diese Dinge sind aber zumeist nur Konsum auf hohem Niveau. Mit Genuß haben sie oft nichts zu tun. Genießen funktioniert nicht auf Befehl, aus dem Stand heraus oder durch Zahlung eines hohen Geldbetrages.

Auf Genuss muss ich zugehen, mich darauf einlassen. Ich möchte genießen, nicht leisten, funktionieren oder brav sein. Das Schöne und Genussvolle ist individuell und ich muss mich dafür öffnen. Ich brauche dazu Empfindungsfähigkeit, Erlebensfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Genussfähigkeit. Genau die Dinge, die bei Depressionen in der umgekehrten Reihenfolge verloren gehen: Erst der Genuss, dann die Begeisterung, das Erleben und schließlich die Empfindungen.

Nach dem Zugehen und dem sich Öffnen benötigt Genuss auch, dass ich mich der Sache voll hingebe. Das macht oft Angst, da es mit Kontrollverlust, Unsicherheit und Verletzlichkeit verbunden sein kann. Lohn dafür ist aber das Erleben von Schönem, Freude und Liebe. Ich muss mich einfach beschenken lassen, das annehmen. Es geht darum, dass ich etwas bekomme, auch ohne etwas zu geben. Es ist kein Tauschhandel. Und schließlich sollte ich dieses tiefe Erleben noch reflektieren können, damit mir bewusst wird, dass ich heute genieße.

Ein Experte für das Thema des Schönen und Genießens ist Primar Univ. Prof. Dr. Michael Musalek, dessen Vorträge die heutige Kolumne geprägt haben.

Es ist gut, dass es mich gibt!

Ist es (für mich) gut, dass es mich gibt?
Dass ich bin?
Mag ich mein Leben?
Mag ich mich?

Zu spüren dass es gut ist, dass es mich gibt. Ein „ Ja“ zu mir als Wert ist der Grundwert.

Nicht, weil ist so bin, oder so bin macht mich wertvoll. Ich bin wertvoll, weil ich bin! Ich bin wertvoll, ohne etwas zu leisten, unabhängig von meiner Position oder meinem Einkommen.

„Es ist gut dass es mich gibt“, das macht mein Leben wertvoll. Dann kann ich ja sagen zum Leben. Kann Ja sagen zu mir. Wenn ich leben mag, kann ich meinen Wert spüren ohne dass ich was geleistet habe?

Es geht nicht darum, dass ich gut bin. Es geht darum dass es gut ist, dass ich bin. Dann spüre ich ein Gefühl von Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Unfassbarkeit des Lebens. In diesem Grundwert sehen wir Tiere, Blumen, Farben – sonst ist alles schwarz-weiß.

An diesem Grundwert sollte ständig gearbeitet werden. Wie kann dieser Grundwert gestärkt werden: Ich kann mir Zeit nehmen, mich mir zuzuwenden. Zufrieden sein, Anerkennung erhalten und geben und Verantwortung übernehmen. Mich über mich freuen. Gesehen werden und sich an der Natur erfreuen, an Tieren und Musik. Kreativität, Liebe und Respekt stärken meinen Grundwert. Genießen und fallen lassen können. Geborgenheit, Glück Stärke und Dankbarkeit sind wichtige Faktoren für den Grundwert. Vertrauen, Zeit für mich. Meine Familie, Freunde, Bewegung, Urlaub und Heimat schätzen und lieben können.

Was ist Biofeedback?

In meiner Praxis arbeite ich mit Biofeedback. Hierbei wird über Sensoren die bewusste Veränderung verschiedener Körperfunktionen  (z.B. Pulsfrequenz, Schweißsekretion, Muskeltonus, Atem etc.) an einen PC übertragen. Über den Bildschirm sehen die Patienten/Klienten, wie sich ihre Körpervorgänge durch Gedanken, Emotionen, Entspannung oder Stress verändern.

Durch dieses „Feedback“ wird schnell erlernt, die Körpervorgänge wahrzunehmen, in die gewünschte Richtung zu beeinflussen und diese Fähigkeit auf Dauer aktiv zur Erhaltung und Wiederherstellung der eigenen Gesundheit einzusetzen.

Biofeedback ist ein Weg aus der Hilflosigkeit gegenüber Krankheit und Beschwerden – der Patient wird vom passiven Empfänger zum aktiv Handelnden.
(Quelle: www.biofeedback.co.at, 13.12.2010)

Selbstwert.

Kennen Sie das Gefühl des Verlassenseins? Nicht mehr zu wissen, was mir eigentlich wichtig ist. Wer ich bin, was ich will, sich als nicht angenommen empfinden? Diese Gefühle treten beim Verlust von Selbstwert auf. Dazu kommen negative Gefühle wie Ekel, Neid, Rivalität, Konkurrenz, Eifersucht, Schadenfreude, gekränkt sein und Ärger.

Was ist Selbstwert: Ich erlebe mich als wertvoll, es ist gut, dass ich da bin und ich kann Positives bewirken. Selbstwert ist Wertschätzung für mich selbst, zu mir stehen können und mich zeigen können.

Selbstwert wird durch zwei Pole verankert. Einmal von außen: Was sagen die anderen über mich?, Durch das Verhalten der Mitmenschen mir gegenüber, durch Erfolge, Lob, Anerkennung, Komplimente, durch Beziehungen, durch Auswirkungen meines Handelns. Aber auch einmal kritisch gesehen zu werden, ist unerlässlich für die Ausbildung eines reflektierten Selbstwertes.

Der zweite wichtige Pol ist die Selbsteinschätzung von innen. Stimmt das für mich, was mir von außen gespiegelt wird? Fühle ich mich darin erkannt und verstanden, wie erlebe ich mich?

Es geht darum, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Wenn mich nur andere anerkennen, habe ich Wert für Andere, aber keinen echten Selbstwert. Dieser ist zwingend gebunden an die Selbstanerkennung, sonst mache ich mich abhängig von der Meinung anderer.

Was habe ich heute schon Sinnvolles gemacht?

In Medien nimmt das Thema „Sinn des Lebens“ immer mehr Raum ein. Viele stellen sich die Frage:

„Worum geht es in meinem Leben?“

Die Welt verändert sich. Menschen entwickeln sich weiter. Ich soll nicht fragen, was bietet mir das Leben? Vielmehr kommt das Leben mit Fragen auf mich zu. Ich muss darauf antworten. Und erst durch diese Antworten gestalte ich meinen Sinn. Solche Situationen kennen wir alle: wenn Kinder aus dem Haus gehen, älter werden, berufliche Veränderungen, Krankheit, Verluste usw.

Sich von einer Situation angesprochen fühlen und darauf zu antworten ist also die Grundlage, um Sinn zu spüren und zu erfahren. Sinn ist stets in meine konkrete Lebenswelt (Kinder, Eltern, Beruf, Religion, Kultur, Spiritualität …) eingebunden.

Die Frage nach dem Sinn ist eine Orientierungsfrage bei allen Entscheidungen. Oft läuft das automatisch ab, in einigen Fällen suche ich bewusst nach dem Sinn. Bei der Sinnsuche geht es nicht um die Vergangenheit, sondern stets um Zukünftiges. „Den“ Sinn des Lebens gibt es also in dieser Form nicht, Sinn ist nicht statisch, sondern – genau wie das Leben – in ständiger Veränderung.

Sinn erlebe ich, wenn ich Werte spüre. Von etwas berührt werde, mich für etwas einsetze. Wenn ich Werte verwirkliche, gestalte ich Sinn. Sinn ist, zu nehmen was kommt und daraus zu machen, was ich vermag.

Ein/e Psychotherapeut/-in kann Sie auf der Suche nach Sinn begleiten.

Leben! Oder gelebt werden?

Kennen Sie das Gefühl, immer zu tun, was andere wollen. Was die Familie von Ihnen verlangt, oder der Chef, oder Freunde …. Sie haben das Gefühl, dass Sie nicht Ihr eigenes Leben leben können, dass Sie fremdbestimmt sind, dass Sie innerlich nicht zustimmen können zu dem, was Sie tun. Wie wäre es, wenn Sie sich vollkommen frei für etwas entscheiden könnten, aber auch die Möglichkeit hätten, etwas abzulehnen? Sich auf etwas einlassen können und die Verantwortung für eine Situation übernehmen?

Dazu ist es aber notwendig zu wissen, was mich motiviert, was mich bewegt, was einen Wert für mich hat. Wert ist etwas, das mich berührt. Ein Wert hat mit mir und meiner Geschichte zu tun. Nicht mit den anderen! Wenn ich von einem Wert berührt werde, spüre ich ein Gefühl der Freude, der Traurigkeit oder Dankbarkeit. Ein Wert ist bedeutungsvoll für mich und tut mir gut. Gibt Kraft und Energie. Bringt mich zum Handeln und ist für mich eine Hilfe bei Entscheidungen.

Es geht um mein Meines, als Unterschied zum anderen. Durch ABGRENZEN wird mein Eigenes sichtbar und spürbar. Abgrenzen beginnt meistens mit NEIN sagen. Das fühlt sich oft nicht gut an. Und, nur im Nein verharren ist zu wenig. Erst wenn mein Wert, der hinter dem Nein steht (ein Ja zu mir), sichtbar wird, können sie mich und meine Entscheidung verstehen.